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CONTRACT digital – „Einiges ist anders, aber vieles bleibt auch gleich“

Mit diesem Satz lässt sich aus meiner Sicht der Vergleich zwischen analogen und digitalen Seminarangeboten zusammenfassen. Auch bei Onlinetrainings liegt für uns der Fokus auf den Menschen: das „miteinander in Kontakt kommen“ und „aufeinander einschwingen“ bleiben Kernelemente wirksamer Personalentwicklung. Was sich allerdings in den letzten Wochen deutlich verändert hat, ist das Verhältnis von analogen zu digitalen Angeboten. In der Zeit von COVID-19 haben wir nahezu unser gesamtes Trainingsangebot auf digitale Lösungen umgestellt. Weiterhin im Fokus bleibt auch bei den digitalen Angeboten unser Leitspruch „menschlich wirksam“.

Dieser Grundgedanke bestimmt auch die Art und Weise, wie wir unsere digitalen Formate gestalten. Auch hier arbeiten wir mit kleinen Gruppen von in der Regel maximal 14 Teilnehmenden. Der Fokus liegt weiterhin auf der Interaktion, dem konkreten Ausprobieren und der gemeinsamen Diskussion von Lerninhalten. Auch die Selbstreflexion und das kollegiale Sparring bleiben wichtige Elemente bei unseren Onlinetrainings.

Konkret setzen wir dies um, indem wir i.d.R. keine one-to-many Webinare konzipieren, sondern in digitalen Lernumgebungen arbeiten, in denen Zeit für die individuelle Reflexion eingeplant ist, Gruppenarbeiten in Subchannels stattfinden und die Ergebnisse dann wieder gemeinsam im Plenum diskutiert werden. Als Erfolgsfaktor hat sich für uns ein gutes „Contracting“ zu Beginn des Online-Seminars bewährt. Klare Regeln bezüglich der Art der (digitalen) Zusammenarbeit geben Struktur und helfen den Teilnehmenden bei der Orientierung in der für sie zum Teil neuen digitalen Lernumgebung.

Herausforderungen bei digitalen Seminarangeboten

Als Herausforderung bei digitalen Seminarangeboten erleben wir die reduzierten Wahrnehmungskanäle. Als Trainer*innen ist es für uns wichtig, in die Gruppe hineinzuspüren und auch non- und paraverbale Nachrichten einzufangen, zu verarbeiten und an unsere Teilnehmenden zurückzuspiegeln.

Im Rahmen von onlinegestützter Interaktion sind diese Wahrnehmungskanäle jedoch deutlich limitiert, die Stimmung und die Bedürfnisse in der Gruppe sind schwieriger zu erfassen. Umso wichtiger ist es für uns, genau hierüber miteinander in die Metakommunikation zu gehen und Möglichkeiten für Feedback einzuräumen.

Ein digitales Tool, das wir hierfür nutzen, ist beispielsweise „Mentimeter“, um fortlaufend Rückmeldungen von den Teilnehmenden einzuholen. Außerdem haben wir, da wo es möglich war, die Trainings mit zwei Trainer*innen durchgeführt, so dass wir uns die Steuerung der Gruppe und die Präsentation des Inhalts auf zwei Personen aufteilen konnten. Darüber hinaus ist unsere Erfahrung, dass die Aufmerksamkeitsspanne im digitalen Kontext geringer ist als im analogen Setting. Daher haben wir unsere Seminare in kürzere Blöcke unterteilt, zwischen denen wir ausreichend Pausen lassen, zum „Neu-fokussieren“ oder für dringende Aufgaben aus dem Tagesgeschäft.

Vorteile bei digitalen Seminarangeboten

Online gestützte Trainings bieten neben den beschriebenen Herausforderungen aber auch einige Vorteile gegenüber klassischen Präsenztrainings. So haben wir in den vergangenen Wochen neue Formate ausprobiert, die sich noch stärker am jeweiligen Kundenbedarf orientieren. Ein Beispiel ist ein neu aufgesetztes Führungskräftetraining, das sich mit einem Termin pro Woche über insgesamt 9 Wochen erstreckt. Dies unterstützt ein noch stärkeres Learning on the job und wir haben die Möglichkeit, die Teilnehmenden über einen längeren Zeitraum zu begleiten und in den gemeinsamen Sessions Erfolge und Schwierigkeiten bei der Implementierung von neuen Verhaltensweisen auszuwerten.

COVID-19 als Chance für mehr digitale Zusammenarbeit

In Folge von COVID-19 haben Organisationen einige Herausforderungen in der Zusammenarbeit aber sicherlich auch viele positive Erfahrungen mit der Arbeit im Home Office, mit digitalen Meetings und vielleicht auch digitalen Weiterbildungsangeboten gemacht. Wir sind zuversichtlich, dass basierend auf diesen Erfahrungen, digitale Formen der Zusammenarbeit auch nach der Corona-Zeit eine wichtige Rolle in der Arbeitswelt spielen werden. Dies ist nicht nur gut für die Umwelt und alle stau-geplagten Pendler, sondern ermöglicht auch eine stärkere Flexibilität und neue Chancen im Work-Life-Blending. Bezogen auf unserer Weiterbildungsangebote können wir sagen, dass digitale Lösungen zwar nicht die persönliche Begegnung in allen ihren Facetten ersetzen können, aber (auch nach der Krise) weiterhin eine wichtige Ergänzung zu analogen Formaten darstellen werden. Darüber hinaus will auch erfolgreiche digitale Kommunikation und Zusammenarbeit geübt sein – und hierfür eignet sich nichts besser als ein digitaler Trainingskontext.

Digitale Angebote von CONTRACT

Schon seit einigen Jahren bieten wir, z.B. für internationale Teams, digitale Seminarangebote und Workshops an. Seit dem letzten Jahr ist auch unsere digitale Coaching-Plattform Call a Coach online. Auch digitale Personalauswahlverfahren gehören schon seit längerer Zeit zu unserem Leistungsspektrum.

Autor: Julian Wonner

Dorothee Abrell hat das Buch „Disrupt Yourself“ von Christoph Keese gelesen und darin interessante Ansätze gefunden, sich die Digitalisierung zu eigen zu machen statt sie als Stress zu erleben. Theresa Pfleghar hat sie dazu befragt.

Wenn Sie das Interview lieber als Podcast hören wollen, können Sie das hier:


„Disrupt yourself“ – bevor es ein anderer tut

Theresa:
„Disrupt Yourself“ – wie kann man denn den Buchtitel auf Deutsch verstehen?
Doro:
Disrupt direkt übersetzt heißt ja zerstören. Jetzt ist ja: „Zerstör dich selbst“ keine besonders verheißungsvolle Aufforderung an die Leser… Aber genauso meint es der Autor des Buches. Die Digitalisierung bringe mit sich, dass viele Tätigkeits- und Berufsbilder zerstört werden. Als Beispiel beschreibt Keese seinen eigenen Weg als Journalist. Er war irgendwann damit konfrontiert, dass sein Berufsbild, wie er es bisher kannte nicht mehr existierte. Aus dieser Erfahrung heraus, hat er dieses Buch geschrieben.

Mit der Aussage: „Zerstör dich selbst“ (bevor es ein anderer tut) will er die Leser herausfordern, nicht einfach nur abzuwarten und die digitalisierungsgetriebenen Entwicklungen einfach so hinzunehmen, sondern die Veränderung aktiv zu gestalten. Es geht also darum, raus aus der Opferhaltung zu kommen, hinein in die Selbstverantwortung zu gehen – neue Wege zu finden, bevor man dazu gezwungen wird. Oder als Bild gesprochen: Wie kann ich auf der Welle surfen, anstatt sie über mir zusammenschlagen zu sehen.

Methoden, die Digitalisierung für sich zu nutzen

Theresa:
Und wie surft man auf der Welle? Also was kann man tun, um selbst nicht zum Betroffenen, sondern zum Erneuerer zu werden?
Doro:
Im Buch wird der Fokus auf Methoden gelegt, mit denen man sich selbst hinterfragen und damit sich selbst oder sein Arbeitsfeld „neu zu erfinden“. Ein Beispiel: Überlege dir doch mal, wenn das, was du heute arbeitest, keinen Wert hätte, wenn also dein Wertbeitrag gleich null wäre, was würdest du dann tun? Wenn ich als Beraterin überhaupt kein Geld mehr damit verdienen könnte, zu einem Kunden zu fahren und einen Workshop zu machen, wie würde ich dann noch Geld verdienen?

Theresa:
Und wie würdest du?
Doro:
Vielleicht würde ich die Workshopteilnehmer online coachen, damit sie selbst moderieren können.

Eine andere Methode aus dem Buch, wie man zum Erneuerer werden kann ist, sich zu fragen: Was nervt mich in meinem Alltag? Im Buch werden zum Beispiel Menschen beschrieben, die genervt davon waren, an Supermarktkassen anzustehen. Daraus ist das Konzept AmazonGo entstanden, das Kassen abgeschafft hat und das Bezahlen komplett digitalisiert hat. Überleg mal: Was nervt dich?
Also ich habe mich ja immer drüber geärgert, beim Autofahren nichts lesen zu können, jetzt mal ein Blogartikel zum Hören zu machen, war ein Ergebnis daraus.



Berufsfelder, die die Digitalisierung überstehen

Theresa:
Du hast gesagt der Autor spricht davon, dass bestimmte Berufe aussterben werden. Da gibt es doch bestimmt Unterschiede, dass manche eher aussterben als andere, oder?
Doro:
Ja genau, das wurde in Studien auch belegt. Berufsfelder, die laut der Studien am sichersten überleben sind Berufsfelder, die auf Empathie und auf sozialer Interaktion beruhen. Komplexe soziale Prozesse können (bisher) eben ausschließlich von Menschen begleitet werden. Trotzdem beobachte ich, dass es selbst in diesen Berufen digitalisierungsbedingte Veränderungen gibt und auch umfassend weiterhin geben wird, wie beispielsweise die immer stärkere Verschränkung von digitalen und analogen Formen der Leistungserbringung.


Digitalisierung erfordert, aus gewohnten Mustern auszubrechen

Theresa:
Und was ist jetzt dein persönlicher Tipp, um auf den ICE der Digitalisierung aufzuspringen und die Digitalisierung für sich selbst zu nutzen?
Doro:
Mhm, ICE der Digitalisierung… Dieses Bild, das du da benutzt, ist genau der Punkt. Du, ich, wir sind gewohnt in unserem vorhandenen Rahmen zu denken. Und Schnellzüge nutzen wir gerne als Bild, wenn wir Hochgeschwindigkeit ausdrücken wollen. Wer sich wirklich mit digitaler Transformation auseinandersetzt, wird merken, dass es zu kurz greift im vorhandenen Bezugsrahmen zu denken – selbst das Weiterdenken ist zu kurz gedacht. Es geht darum, mutiger, neuer, radikaler quer zu denken. Hast du schon mal vom Hyperloop gehört? Mit dem Hyperloop ist es bereits jetzt technisch möglich, von München nach Berlin in 30 min zu komme. Verrückt, oder?

Aus meiner persönlichen Sicht geht es also darum, 1. neu und vielleicht sogar verrückt und quer zu denken, statt nur im Vorhandenen weiter zu denken und 2. nicht darauf zu warten, bis andere es für einen tun. Sondern du selbst bist am Zug. Also kurz gesagt: Wage es dich deines eigenen innovativen Querdenkens zu bedienen.


Das Buch regt zu eigenen Gedankenexperimenten an

Theresa:
Was ist dein Fazit zum Buch?
Doro:
Für mich war es alles in allem ein inspirierendes Buch. Ganz automatisch habe ich begonnen eigene Gedankenexperimente zu machen. Dafür lohnt es sich definitiv. Doch Keese ist eben weder Ökonom noch Digitalisierungs-Experte noch Psychologe. Daher fehlt dem Buch an vielen Stellen Fundament und Tiefe, beispielsweise leitet er die meisten seiner Thesen überhaupt nicht her und begründet sie nur anhand von ein oder zwei Individualbiographien. Und ich muss auch sagen, der Gedanke, dass Menschen innovative, neue Ideen haben und sich damit selbst, ihr Unternehmen oder ganze Branchen, zerstören und neu erfinden, diese Idee ist nicht neu, wie Christoph Keese immer wieder nahelegt, sondern vielfach schon in der Vergangenheit zu finden. Zum Beispiel hat der Wirtschaftswissenschaftler Joseph Schumpeter mit seinem Begriff „Schöpferische Zerstörung“ eigentlich genau das beschrieben, was heute Disrupt Yourself heißt.
Aber wie gesagt, das Buch regt zu eigenen Gedankenexperimenten an. Und wer Lust auf diese Art des schöpferischen Sich-Selbst-Hinterfragens hat, der hat bestimmt Spaß damit!

Theresa:
Vielen Dank für das Interview, Doro!

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„I Miss My Pre-Internet Brain.“

Dieser kultige Satz des kanadischen Schriftstellers Douglas Coupland ist wohl nur halb ironisch gemeint. Das spontane Schmunzeln macht schnell einer ernsten Miene Platz. Wem die Allgegenwart der digitalen Technik, ihrer Geräte und Inhalte schon immer ein bisschen unbehaglich war, der spürt es jetzt besonders deutlich: wir kommen nicht wieder dahinter zurück.

Die Story in den meisten Zukunftsszenarien geht von einer weiteren Digitalisierung in einem noch höheren Tempo aus. Die Welt löst sich in Nullen und Einsen auf und am Ende übernimmt die Künstliche Intelligenz.

Die Digitalisierung kostet uns einen Preis

Von der Markteinführung des ersten Mobiltelefons dauerte es zwölf Jahre, bis 50 Millionen Nutzer erreicht waren. Das Internet kam in nur sieben Jahren auf die gleiche Anzahl. Facebook erreichte bereits nach vier Jahren 50 Millionen Mitglieder, WeChat – das chinesische Whatsapp – nach einem einzigen.

Die Digitalisierung hat einen direkten Einfluss auf uns als Individuen, auf die Wirtschaft und auf die Gesellschaft. Das Internet, Social Media, Algorithmen, Fake News, Internet-Memes – die positiven und auch die negativen Auswirkungen sind bis in die entlegensten Winkel der Welt allgegenwärtig. Im Grunde genommen wissen wir auch, dass wir dafür einen Preis zahlen müssen – es ist nur noch nicht ganz klar in welcher Währung.

Bei aller Kritik: Kaum einer will mehr auf Digitalität verzichten

Wir denken schnell an Big Data, individuelle Daten-Durchsichtigkeit und Manipulierbarkeit, doch Couplands Satz lässt uns tiefgreifende Veränderungen der Synapsenschaltungen assoziieren. Ist unser Gehirn bereits dabei, sich zu reorganisieren?

Es gibt unzählige Beispiel für Digitalisierung, die dem Menschen dient: die Bedeutung der Digitalisierung für wirtschaftliche Entwicklungen und Wachstum, Innovationen erfolgen so schnell wie nie zuvor, im letzten Jahrzehnt war das Tempo der Digitalisierung der entscheidende Erfolgsfaktor. Niemand will mehr seine Bahn- oder Veranstaltungstickets telefonisch oder schriftlich kaufen. Wir alle freuen uns, wenn wir zeitnah erfahren, wer die neue Kanzlerin ist oder wie der neue Erdenbürger heißt. Der schnelle Zugang zu Informationen unterstützt und stärkt demokratische Bewegungen …

Digitalisierung – und was kommt danach?

Es ist keine Frage mehr, ob wir in einer digitalisierten und beschleunigten Welt leben, die Frage ist, was danach kommt. Nicholas Negroponte schreibt in Beyond Digital schon 1998: „Wie die Luft und das Wassertrinken wird Digitales nur durch seine Ab- und nicht Anwesenheit bemerkt werden… Aber die wirklich überraschenden Veränderungen werden woanders stattfinden, in unserer Lebensweise und wie wir zusammen uns auf diesem Planeten steuern.“

Organisationen, die ihre digitale Transformation abgeschlossen haben oder kurz davor stehen, suchen nach weiteren Möglichkeiten des Wachstums. Einige verändern dabei regelrecht die Funktionen und das Format des Marktes, weg vom Gesamtmarkt hin zu vielen Mikromärkten oder individuellen Märkten. Branchengrenzen fallen, jedes Unternehmen kann mit jedem anderen konkurrieren. Es entstehen immer neue Geschäftsmodelle, in denen die Unternehmen mehr und mehr in den Alltag der Menschen vordringen.

Post-Digitalismus heißt bewusste Indifferenz

Mir wird immer klarer, dass die Unternehmen sich nach wie vor den alten Fragen stellen müssen: wie vollzieht sich die Wert-Schöpfung? Was bringt Gewinn? Was bedeutet das für die Menschen – Mitarbeiter und Kunden? Wie sieht es aus mit Sicherheit, Privatsphäre und Ethik?

Vertreter der Postdigitalität, u.a. Matthias Horx vom Zukunftsinstitut, gehen davon aus, dass der Peak digital bereits überschritten ist. Ähnlich wie bei der Begriffskonstruktion post-materiell meint post-digital nicht eine Absage an alles Digitale bzw. Materielle, sondern eher eine bewusste Indifferenz. Es geht darum, sich nicht von der Digitalität gefangen nehmen zu lassen, sondern sie mit Selbstverständlichkeit und ohne Heilserwartungen zu nutzen.

Digitalisierung braucht menschliche Intelligenz

Wir von CONTRACT stellen von Anfang an den Menschen in den Mittelpunkt unserer Arbeit – sei es als Akteurin oder als Betroffener. In Digitalisierungsprozessen kommt es uns darauf an, dem Menschen eine gestaltende Rolle zu geben.

Keine noch so schlaue Künstliche Intelligenz kann – bis dato – die Menschheitsfragen zu Mobilität, Ernährung oder Territorialität beantworten. Tragfähige Antworten erfordern menschliche Entscheidungen, Entscheidungen durch Menschen, die Werte reflektieren und Prioritäten setzen können – außerhalb von reinem Optimierungsdenken.

Digitalisierung braucht Kultur- und Sozialtechniken

Postdigitalität bedeutet, der Digitalisierung den ihr angemessen Platz zu geben, um sie sinnvoll einsetzen und nutzen zu können. Weder ein digitaler Effizienzwahn noch eine Haltung, die den Menschen entmachtet, weil technologischer Fortschritt nicht zu steuern sei, bringen uns weiter. Es geht darum, in eine gemeinsame Verantwortung für die digitale Entwicklung zu gehen.

Menschgerechte Computer bauen – dafür ist Steve Jobs angetreten. Wir müssen jetzt die Kultur- und Sozialtechniken entwickeln, die den Menschen in die Lage versetzen, in einer digitalisierten Welt menschlich wirksam zu sein.

Blockchain, Robotik, Big Data oder KI oder Kryptowährung … Neue Technologien sind längst in allen gesellschaftlichen Bereichen Disukussionsstoff. Anstatt sich davon verrückt machen oder lähmen zu lassen, ist die Antwort auf die Frage, wie mit Digitalisierung umzugehen ist, so einfach wie herausfordernd: sie zu gestalten

VUCA erleben und für uns gestalten

Digitalisierung ist das Trend- und teilweise auch Sorgenthema. Man muss nicht erst zu den großen Vier – Amazon, Google, Facebook, Apple – schauen, sie treibt sich längst durch alle Branchen und Sektoren. Neue Möglichkeiten, Chancen und Potentiale entstehen genauso wie Risiken und Probleme – und das in hoher Geschwindigkeit, immer wieder unvorhergesehen, ohne dass ihre vielschichtigen Hebel und Grenzen erkannt werden könnte. Zudem müssen wir uns immer wieder fragen, ob diese und jene Entwicklung nun gut oder schlecht ist. Anders gesagt: Die Digitalisierung ist das Paradebeispiel für die VUCA-Welt.

Anstatt sich davon lähmen zu lassen, ist die Antwort auf die Frage, wie mit Digitalisierung umzugehen ist, so einfach wie herausfordernd: sie zu gestalten. Häufig werden dafür zwei große Gestaltungsbereiche genannt: Geschäftsmodellentwicklung und Kulturveränderung.

Digitalisierung Ihres Geschäftsmodells

Zum Umgang mit Digitalisierung gehört zum einen die wiederholte Klärung wie das eigene Geschäftsmodell Chancen der Digitalisierung aufgreifen könnte – und sich evolutionär oder sogar revolutionär weiterentwickeln kann. Bei der Unübersichtlichkeit der technischen und gesellschaftlichen Entwicklung sind Entscheider heute gefordert, sich immer wieder aufs Neue die Frage der weiteren Entwicklung zu stellen, Entwicklungsrichtungen auszuloten und Neues prototypenhaft auszuprobieren oder auch wieder zu verwerfen. Unternehmen müssen gewissermaßen in einem permanenten Test-Modus sein.

Digitalisierung heißt Kulturwandel

Zum andern kündigt sich mit der Digitalisierung genauso ein Kulturwandel an. Denn um in der digital beschleunigten VUCA Welt Schritt halten zu können, brauchen Organisationen eine hohe Sensibilität und Übersetzungsfähigkeit für Anforderungen des Marktes, für die Entwicklung des Wettbewerbs und für die Chancen technologischer Innovationen. Dies zu gewährleisten heißt oftmals die Verteilung von Verantwortung auf viele mitunternehmerisch handelnde Mitarbeitende und Teams mit entsprechenden Gestaltungsfreiheiten, flachen Hierarchien und einer offenen, wertschätzenden Fehlerkultur – um nur einige Aspekte zu nennen. Daimlers Leadership 2020 oder Otto’s Kulturwandel 4.0 sind gute Beispiele für derartige unternehmensweite Veränderungen.

Muster wechsel dich

An diesen beiden Bereichen wird die Krux in der Gestaltung der Digitalisierung deutlich: Nicht nur ändert sich unsere Welt durch die Digitalisierung und viele andere Treiber ständig. Auch Unternehmen sollten sich darauf gefasst machen, sich immer wieder zu verändern. Planstrategien, Kontinuierliche Verbesserungsprozesse, oder Innovationen aus den bestehenden Kernkompetenzen greifen oftmals zu kurz. Es braucht die lernende Organisation, die in der Gestaltung der Digitalisierung ständig lernbereit, also veränderungsoffen ist: Sie ist in der Lage gelernte Muster abzulegen und neue zu erlernen.

Dimensionen in der Gestaltung der Digitalisierung

Bei unserer Themenwerkstatt „The human factor: Digitalisierung in Unternehmen gestalten“ sind wir mit unseren Teilnehmenden diesem Anspruch nachgegangen. Dabei haben wir den Rahmen für die 7 inhaltlichen Dimensionen aufgemacht, die aus unserer Erfahrung in der Begleitung des digitalen Wandels immer wieder relevant werden.

Geschäftsmodell-Suche

Manche Organisationen müssen sich neu erfinden, andere weiterentwickeln, was das Portfolio ihrer Geschäftsmodelle betrifft, damit neue Geschäftsfelder erschlossen werden können. Dabei helfen klassische Methoden, wie Business Modell Innovation oder Visions- und Strategieentwicklung etc. Häufig steht dabei eine radikale Kundenorientierung nach dem Motto „Outside in“ im Vordergrund. Eine Annährung durch kreative Ansätze oder Prototyping in Kombination mit guter Erprobung kann erste Erkenntnisse bringen. Manche Mitarbeiter spüren in solchen Prozessen Angst vor dem Verlust des eigenen Arbeitsplatzes. Durch eine frühe Einbindung der Mitarbeiter in den Suchprozess kann dem begegnet werden und gleichzeitig lassen sich so neue Perspektiven und zusätzliche Kompetenzen mit einbeziehen. Das sorgt für eine Stärkung des Vertrauens mit gleichzeitiger Verteilung der Verantwortung.

Informationsmanagement

Die Digitalisierung von Unternehmen bringt meistens eine immense Datenvielfalt mit sich. Häufig entsteht dabei ein Mehr an Transparenz – was analog nicht auffällt, ist ggf. digital sichtbar. Entscheidungen können mit mehr Daten belastet werden. Zugleich entsteht nicht selten der berühmte Informationsdschungel, der wiederum den Entscheidungsdruck erhöht. Hat man wirklich alle Informationen für eine Entscheidung oder vielleicht etwas übersehen? Im Ergebnis kann das zu einer Überforderung von Einzelnen führen. Technisch begegnen kann man diesen „Nebenwirkungen“ mit speziellen Systemen zur Informationsbereitstellung und kulturellen Regeln der Informationsbereitstellung. Ebenfalls sind Systeme zur Förderung einer engen Zusammenarbeit und besserer Schnittstellenkommunikation sinnvoll (Slack, MS Teams etc.).

Kommunikations- und Beziehungsgestaltung

Immer mehr zusätzliche Kanäle werden genutzt, was die Erreichbarkeit eines Einzelnen und die Geschwindigkeit der zielgerichteten Informationsstreuung erhöht. Das soziale Netzwerk der Mitarbeiter wird so ausgebaut, Informationen zu Kompetenzen, Erfahrungen und Arbeitsgebiet leichter geteilt. Teamräume in Messaging- oder Chatdiensten können sowohl für Teams als auch andere Gruppen und für Führungskräfte eingerichtet werden. Zugleich mag bei manchen dadurch eine Flucht in die Anonymität drohen. Die direkte Kommunikation zwischen den einzelnen kann darunter leiden. Es ist also wichtig neben den Kommunikationsplattformen darauf zu achten, dass Team- und Kulturevents stattfinden, eine gemeinsame Feedbackkultur gepflegt wird und Regeln zur Kommunikation miteinander vereinbart werden. Ein methodischer Ansatz einer solchen Entwicklung entgegenzuwirken, bietet zudem etwa Working out loud.

Erwartungen an den Einzelnen

Digitalisierung eröffnet dem Einzelnen neue Felder, seinen Alltag und sein Leben zu gestalten. Viele spüren schon seit Jahren, dass mit den Möglichkeiten digitaler Kommunikation die Erwartungen, die an den Einzelnen in Unternehmen gestellt werden, sich verändern. Homeoffice und Arbeit außerhalb der Bürozeit ist häufiger möglich, dazu aber genauso eine ständige Erreichbarkeit gewünscht oder sogar nötig. Nicht selten sind Mitarbeitende dann always on, um ja nichts zu verpassen. Zum Teil erleben sie die ständige Erreichbarkeit genauso als Kontrolle. Je nach Ausgangslage könnte hier die gemeinsame Vereinbarung eines Teamvertrags, die Einführung einer lebendigen Feedbackkultur genauso wie gegenseitige Unterstützung im Zeitmanagement etc. hilfreich sein.

Biographische Gestaltung

Mit der Digitalisierung können neue Anforderungen an unsere biografische Gestaltung einhergehen. Durch neue Arbeits- und Aufgabenfelder entsteht eine höhere Vielfalt und somit auch die Chance, sich persönlich weiterzuentwickeln. Der Wandel ganzer Berufsbilder kann einen starken Fortbildungsdruck bei den Mitarbeitenden hervorrufen und zur Überlastung führen. Durch entsprechende HR-Angebote und der Einladung zum Feedback kann dem begegnet werden. Personal Mastery und die Ermutigung zu disrupt yourself, verbunden mit einem guten Austausch im Kollegenkreis versprechen Stabilität und Perspektive.

Führung

Durch Digitalisierung ändern sich die Anforderung an Führungskräfte. Eine Vielzahl von digitalen Tools erleichtern Remote Leadership. Allein die Feedbackmöglichkeiten sind wesentlich umfangreicher als früher. Viele Mitarbeitende nehmen heute die Möglichkeit der Digitalisierung wahr und arbeiten von zuhause oder einem anderen Ort. Ebenfalls ist die Verteilung von Teams über verschiedene Standorte heute keine Seltenheit mehr. Diese setzt eine hohe innere Transparenz voraus. Für Führungskräfte und ihre Mitarbeitende heißt dies mehr Kommunikation und gegenseitiges Vertrauen. Dazu braucht es eine gute Rollen- und Erwartungsklärung.

Agilität

Für agile Arbeitsstrukturen, die heute in immer mehr Bereichen zum Einsatz kommen, ist eine gute Rollenklärung essenziell. Insgesamt ist der Regelungsgrad bei dieser noch relativ neuen Arbeitsform wesentlich höher als in der klassischen. Gerade durch die Verantwortungsübertragung in Teams ist es relevant, Handlungs- und Entscheidungskompetenzen genau zu definieren und ggf. ein Coaching der Teammitglieder mitzudenken. Denn nicht jeder möchte sofort Verantwortung übernehmen oder so eng in einem Team zusammenarbeiten, auch wenn man die Vorteile wie beispielsweise einer höheren Flexibilität oder das Verfolgen von gemeinsamen Zielen sieht. Einer teilweise herrschenden Orientierungslosigkeit wirken klare Methodik sowie digitale Tools entgegen. Dafür bedarf es Raum zum Ausprobieren, Erleben und Experimentieren. Damit die Herangehensweisen und die Zusammenarbeit ständig verbessert werden, ist es genauso wichtig, regelmäßige Reflexionsschleifen durchzuführen.

Das Prinzip der beidhändigen Führung

Für die Gestaltung der Digitalisierung hat sich das Bild beidhändigen Führung bewährt (Rosing, Frese und Bausch 2011). Die eine packt neue Themen an, gibt Raum für Autonomie, für Innovation und Fehler(-kultur). Die andere setzt auf Routinen, klare Abläufe, Regeleinhaltung und Risikovermeidung. Nicht selten symbolisiert sich darin die Dynamik der Entwicklung von Unternehmen, die Platz schaffen zum Ausprobieren (sei es die AG Digitalisierung, das agile Team im Co-Working Space oder das Start-Up in Berlin) und zugleich emsig weiterhin das gelernte und etablierte Tagesgeschäft verfolgen. Es sind zwei Hände, die zum gleichen (Unternehmens-)Körper gehören. Dessen Aufgabe ist es die Themen der Unternehmensentwicklung aus beiden Bereichen miteinander in Kontakt zu bringen, manchmal auch zu jonglieren und dabei sowohl das Gute zu bewahren, in beiden Teilen ein angemessenes Maß an Sicherheit und Klarheit zu geben und zugleich das wertvolle Neue schnell und dynamisch in der Gesamtorganisation zu übernehmen.

Auf dem Weg zur lernenden Organisation

Im Grunde sind viele Rezepte zur Gestaltung der Digitalisierung 30 Jahre alt: Um veränderungsoffen und bereit zu sein, also Muster immer wieder auf Neue zu wechseln, braucht es die Lernende Organisation. Peter Senge, der das Konzept geprägt hat dazu 5 Dimensionen identifiziert, die sich alle auf die ein oder andere Weise in den Erfolgsgeschichten der Digitalisierung wiederfinden. Die Quintessenz daraus: Wir können Digitalisierung dann gut gestalten, wenn wir unsere Organisationen und die Menschen darin entwickeln.

Die Welt digitalisiert sich, Maschinen und Roboter übernehmen immer größere Teile unseres Handelns. Doch wir Menschen sind und bleiben soziale Wesen – umso mehr sollten wir dem persönlichen Kontakt zu einer Renaissance verhelfen.

Als Unternehmensberater komme ich fast zwangsläufig viel herum. In manchen Wochen sehe ich fünf verschiedene Kunden – alle aus unterschiedlichen Branchen und aus Organisationen unterschiedlicher Größe sowie Verfasstheit.

Da sind es die Big Corporates, die Mittelständler im Familienbesitz, die jungen aufstrebenden Unternehmen und manchmal auch ein Coachee, der über seine/ihre nächsten Schritte in der persönlich-beruflichen Zukunft nachdenkt. Was allen Gesprächen gemeinsam ist? Nach spätestens 15 Minuten taucht dieses Buzzword Wort auf: Digitalisierung!

Dann geht es um die Veränderungen in unserer Welt – im Allgemeinen und im Speziellen. Während die persönliche Abhängigkeit vom Smartphone sich eher zum Schmunzeln über die eigene Unzulänglichkeit eignet, hat die Digitalisierung des eigenen Geschäftsmodelles eine komplett andere Tonalität.

Bei den einen ist es eher die Besorgnis über die Bedrohung der angestammten Geschäftsfelder und Gewinnmargen. Die anderen lassen sich dagegen von den scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten euphorisieren. Ganze Märkte scheinen reif zur Eroberung – und die Präsenz des Unternehmens scheint sich nur noch im Internet zu befinden. Beides – also Befürchtungen wie Hoffnungen – sind meist etwas übertrieben, aber das hilft der Motivation etwas in Gang zu bringen.

Digitalisierung – das verändert nicht nur das Geschäftsmodell, Digitalisierung verändert auch die Kommunikationskultur in einer Organisation. Je stärker die digitale Form der Interaktion genutzt wird, je mehr an internen Prozessen und damit möglichen menschlichen Begegnungsflächen im System der IT abgebildet sind, um so wichtiger wird das direkte Gespräch.

Die Logik ist eigentlich ganz einfach: ein rares Gut wird wertvoller!

Wir Menschen sind und bleiben soziale Wesen. Nicht zuletzt aus diesem fundamentalen Bedürfnis heraus bilden wir Organisationen um komplexe Wertschöpfung zu erzeugen. Wir spiegeln uns in der Kommunikation mit anderen, wir lassen uns anregen und entwickeln neue Ideen und wir verwirklichen unsere Überlegungen mit Hilfe und in der Interaktion mit anderen.

Längst ist nicht alles zielorientiert. Das informelle Gespräch auf dem Gang über das Wochenende, den Lieblingssportclub oder die Lokalpolitik sind manchmal inspirierender als ein strukturiertes Brainstorming zum Produkt-Relaunch.

Die Chat- und Messenger-Kultur beruht letztlich auch auf diesem Bedürfnis verbunden zu sein – es ist aber nur ein Surrogat, ein Ersatzstoff. Ersatzstoffe enttäuschen aber auf der Langstrecke. Es bleibt ein Gefühl des Schalen und des Unechten. Sie (ver-)führen zudem zu einem unverhältnismäßigen Gebrauch. Fünf Menschen sitzen zusammen an einem Tisch – und alle chatten mit irgendjemanden da draußen in dieser Welt anstatt miteinander zu reden. Wer kennt dieses Bild nicht?!

Was heißt das für den beruflichen Alltag? Treiben Sie die Digitalisierung voran. Da sind große Chancen drin, damit lassen sich erhebliche Synergien generieren und nicht zuletzt sind Sie an dem Megathema unserer Zeit aktiv beteiligt.

Die persönliche Kommunikation mit den direkten Mitarbeitern, mit der Mannschaft, mit den Kunden, die wird immer wichtiger. Man sieht sich seltener und bei der ersten Begrüßung kann man fast ein Aufatmen spüren. Es ist ein Mensch der mir gegenüber steht – und nicht ein E-Mail-Absender oder ein Chat-Bot!

Ich kann nur empfehlen sich bewusst Zeit für das persönliche Gespräch zu nehmen. Morgens nicht gleich in den Email-Account zu versinken, sondern die Kollegen oder das Sekretariat zu begrüßen. Sich gegenseitig eine Minute Gespräch zu gönnen, das fühlt sich erstaunlich gut an. Schwierige Entscheidungen in einem face-to-face- Meeting anzugehen und miteinander nach der besten Lösung zu suchen, bringt Sie schneller weiter als elaborierte Spreadsheets und PowerPoints auszutauschen. Und die Kontaktpflege überlassen Sie besser nicht den Emojis auf dem Smartphone. Das gilt für die Mitarbeiter genauso wie für die Kunden.

Je seltenerer die direkte Kommunikation wird um so wichtiger ist es sie. Gerade dadurch kann man einen wesentlichen Impuls setzen. Sie ist gut für das Zusammenspiel in unseren komplexen Organisationen, sie ist gut für die Vertrauensbildung untereinander – für Vertrauen das wir in schwierigen Situationen noch brauchen werden. Naja, und es tut gut.

Autor: Joachim Karnath

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