New Normal in der Sozialwirtschaft

Pandemie, Digitalisierung, gesellschaftlicher Wandel, Fachkräftemangel und sinkender Anreiz in der Sozialwirtschaft zu arbeiten – da sind Themen, die die Sozialwirtschaft permanent beschäftigen und herausfordern. Diese Herausforderungen nichts Neues, sie haben sich während der Corona-Zeit verschärft und sind sicherlich nicht mit dem Ende der Pandemie überwunden. Bei einem Neuanfang nach der Krise besteht jetzt die Chance, nicht in alte Muster zurückzufallen, sondern neue Innovationen, Ideen und Veränderungen, die sich während der Krise entwickelt haben, zuzulassen und diese auf dem Weg zu einem New Normal zu integrieren.

die Sozialwirtschaft ist sicher nicht die erste Branche, die einem zum Stichwort Innovation und Strukturwandel einfällt. Innovation bedeutet neue Ideen einbringen, Lösungsansätze finden und neue Prozesse etablieren. Die Pandemie zeigte schon erste Ansätze für einen Digitalisierungsschub. Die Sozialwirtschaft wurde überrumpelt und in kürzester Zeit mussten neue Prozesse etabliert werden. In anderen Branchen war die Digitalisierung wesentlich leichter, da viele einfach von Zuhause aus arbeiten konnten. In der Sozialwirtschaft war dies nur bedingt möglich. Trotzdem bot sich zum Beispiel in der Verwaltung ein großes Potential zum Homeoffice an und auch in der mobilen Pflege konnte der Digitalisierungsprozess beschleunigt werden. Apps zum mobilen Arbeiten erleichtern diese Arbeit erheblich. Die Sozialwirtschaft braucht nicht vor der Digitalisierung zurückzuschrecken, denn auch künstliche Intelligenz und die Robotik als Hilfe, vor allem im Pflegebereich, sind Innovationen, die in Zukunft normal sein dürften und den Pflegeberuf wieder attraktiver machen würden.

Viele Organisationen sind schon auf dem besten Weg dorthin. Laut einer Umfrage der Bank für Sozialwirtschaft erwartet man im Sozial- und Gesundheitswesen sowie in der freien Wohlfahrtspflege einen hohen bzw. sehr hohen Schub für die Digitalisierung infolge der Corona-Pandemie. Zudem wird einem breiten Spektrum an Digitalisierungsbereichen und digitalen Anwendungen eine hohe Bedeutung für die Bewältigung der Krise beigemessen. Vor allem web-basierte Anwendungsformate stehen dabei im Fokus.1

Im New Normal geht es nicht nur darum, dass sich die Sozialwirtschaft deutlich digitalisiert hat. Dafür gibt es zu viele andere Herausforderungen. Die Corona-Krise hat den sozialen und wirtschaftlichen Arbeitnehmer*innen eine enorme zusätzliche Belastung gebracht. Eigentlich wäre unter diesen Bedingungen mit einer erhöhten Zahl an Krankschreibungen zu rechnen gewesen. Tatsächlich wurden die zusätzlichen Belastungen durch ein außergewöhnlich hohes Engagement der Mitarbeiter*innen aufgefangen.2 Das hat den Blick für funktionierende und weniger gut funktionierende Prozesse geschärft. Das kann jetzt genutzt werden. Die bereits gesammelten Erfahrungen und Ideen können in die bestehenden in Organisationsstrukturen und -prozesse implementiert werden, damit das New Normal bedeutet, mit einer neuen Organisationsstruktur aus der Pandemie zu kommen. Ein solches Vorgehen hat das Potential, auch in Zukunft gut auf Krisen und gesellschaftliche Veränderungen vorbereitet zu sein. Außerdem kann so die Sozialwirtschaft als innovativer Arbeitgeber attraktiver werden. Gerade weil die gemachten Erfahrungen oft durchaus schmerzhaft waren, gilt es, sie produktiv und kreativ für die Zukunft zu nutzen.

Die Frage nach dem New Normal in der Sozialwirtschaft heißt, wie sieht die Branche nach der Krise aus? Natürlich wird man wieder zur Normalität nach der Krise zurückkehren, aber man kann nicht zur „alten Normalität“ zurückkehren, sondern eine „neue Normalität“ mit anderen Umsetzungen, Schwerpunkten und Strukturen etablieren. 

Es ist also an der Zeit, dass die Sozialwirtschaft Innovations- und Ideenvorreiter wird. Wir helfen bei der kreativen Umsetzung.  

Lelia Quint

Ressourcen:

Bank für Sozialwirtschaft. 2020. Befragung zu den wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das Sozial- und Gesundheitswesen. https://www.sozialbank.de/fileadmin/2015/images/Website_Struktur_2020/Covid-19/Umfrage_I/BFS_Umfrageergebnisse-Corona_Pandemie_I_FINAL_2.pdf


[1] Bank für Sozialwirtschaft 2020, Einfluss der Corona-Pandemie auf die Digitalisierung im Sozial- und Gesundheitswesen sowie in der Freien Wohlfahrtspflege (S. 24-26)

[2] Bank für Sozialwirtschaft 2020, Welche Auswirkungen hat die Mehrbelastung für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf die Aufrechterhaltung Ihres Betriebes bzw. Ihrer Einrichtung? (S.10)

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