Die Diversität durcheinander gebracht

Gibt es eine Ordnung für Diversität und wenn ja, wie viele?

Immer wenn hinter meinem Schreibtisch die Diversität durcheinander geraten ist, weiß ich, dass eine bestimmte Kollegin an meinem vorbeigekommen ist.

Nun, ich muss erklären. Hinter meinem Schreibtisch stehen einige Lego-Sets. Einerseits aus privatem Vergnügen und andererseits, um sie in Workshops und Trainings zu verwenden.

Eins der Lego-Sets ist das sogenannte Diversity-Set. Auf regenbogenfarbenbunten Steinen stehen dort ebenso bunte Figuren nebeneinander – allerdings jede streng auf ihrer eigenen monochrom passenden Farbreihe. Ich mag das, weil es so in der Anleitung steht. Das ist mir wichtig.

Meine Kollegin sieht das anders. Sie sagt: „Diversität ist bunt!“ Dann stellt sie das rote Männchen auf die blaue Fliese, tauscht Köpfe und Beine aus, bis alles ganz bunt durcheinander ist. Ich kriege davon mikro-neurotische Zuckungen. Aber irgendwie hat sie auch recht…

Diversität hat nicht die eine feste Ordnung. Es geht um ein ständiges Aushandeln, offene Gespräche, viele Blicke unter die Wasseroberfläche, wie wir sagen, wenn wir das Eisberg-Modell vorstellen.

In meinem Leben ist es ähnlich. In einer Diskussion haben mir junge (weiße) Studentinnen an den Kopf geworfen, dass ich als „weißer Mann“ überhaupt keine Erfahrung mit Diskriminierung hätte und deshalb auch nicht darüber sprechen könne – mein Name und meine aus dem Iran vertriebene, nun in der Diaspora lebende Familie, reichte in diesem Fall nicht aus, um Kredibilität herzustellen.

Manchmal ist das aber auch anders: Eine Personalerin sagt mir, dass sie favorisiert mich für Diversity-Trainings buchen möchte. Der Grund: Wenn sie Anfragen für Trainings dieser Art ausschreibt, melden ihr interessierte Teilnehmer:innen zurück, dass das aber schon jemand machen solle, der von woanders herkommt – und wo man das auch merke.

Es hat zumindest für mich Vor- und Nachteile ein sogenanntes Mischlingskind zu sein, so wie es in 50 Jahren, ein Großteil der Welt sein wird.

Manchmal stelle ich mich mit Namen vor und Menschen antworten überrascht, sie hätten jetzt gedacht, ich würde Felix oder Jonathan heißen. Ich weiß dann immer nicht, was ich antworten soll. Aber irgendwie gibt mir das das Gefühl, mich rechtfertigen zu müssen, wenn ich auch nicht genau weiß für was, weswegen dies eine der wenigen Situationen in meinem Leben ist, in denen ich sprachlos bin und einfach nur nicke und freundlich lächle.

Wieder andere sagen, dass ich einen sehr schönen Namen hätte, der gut zu mir passe und wenn man den wüsste, würde man den persischen Einschlag auch deutlich wahrnehmen. Das schmeichelt mir dann immer ein bisschen, weil es so klingt als wäre ich etwas Besonderes…

Auf dem Karton zu dem Lego-Diversity-Set steht übrigens: Everyone is awesome – jeder ist besonders! Das ist eine Botschaft, die wir auch gerne in unseren Diversity-Trainings vermitteln wollen. Jeder von uns, unabhängig von Hautfarbe, Geschlecht, Glaube oder Nicht-Glaube, sexueller Orientierung, Brillengestell, Anzug- oder T-Shirt oder Kleidchen-Typ – Jeder kann mit jeder in Missverständnisse geraten und die Arbeitsatmosphäre und Produktivität leidet darunter. Ebenso können wunderbar fruchtbare Dinge entstehen, wir können Schranken abbauen und neues Territorium erdenken – wir müssen uns nur auf den Weg machen!

Wir freuen uns über
Fragen und Anregungen.

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Tarek Jan Schakib

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