Der Esel, der keine Geschichte hatte

Der Esel, der keine Geschichte hatte

Sehr traurig blickt der Esel vom Cover des Kinderbuchs im Schaufenster – „Vom Esel, der keine Geschichte hatte“.

Schmerzhaft, den Eindruck zu haben, dass einer keine Geschichte hat.

Geschichte schafft Identität, prägt Identität und hilft, sich im hier und jetzt zu verorten.

Geschichte ist und bleibt spannend, gerade auch mit zunehmendem Alter. Waren es zunächst einzelne und verstreute Berichte aus der Eltern- und Großelterngeneration, so setzt sich das mehr und mehr zu einem Gewebe von gegenseitigen Bezügen, Bedingtheiten, Einflüssen und Brüchen zusammen. Letztlich prägen sie unsere Haltungen, Einstellung und Werte bis heute.

Meine Kollegin Ayah beschreibt das als Bücher, die in den einzelnen Generationen geschrieben worden sind, die aufeinander aufbauen, jeweils Teile des vorangegangenen Konzepts übernehmen oder auch neu schreiben. Für jeden von uns gilt die Frage: womit lasse ich mich prägen, was präge ich selbst?

Sind wir in der heutigen Debatte in Bezug auf Diversität zu sehr bei Äußerlichkeiten wie Geschlecht, Hautfarbe, Herkunft und berücksichtigen die in der Geschichte liegende Vielfalt und Individualität zu wenig?

Wenn ich mir Geschichte und familiäre Hintergründe meiner Kolleginnen und Kollegen anschaue, gibt es eine erstaunliche Vielfalt und auch eine beeindruckende Unterschiedlichkeit in dem individuellen Bezug dazu.

Allein wenn wir uns über die Berufe in der Eltern- und Großelterngeneration austauschen, wird die Diversität deutlich: Da gibt es Elektroingenieurinnen, Konditoren und Bäcker, Gastwirte, Groß- und Einzelhändler, Fabrikarbeiter, Buchbinder, Lockführer, Lehrerinnen, Bergarbeiter, uvm.

Alle haben Erfahrungen, Haltungen, Lebenseinstellungen an uns weitergegeben, die wir auf unsere je spezifische Weise verarbeitet, weiterentwickelt und ergänzt haben.

Ach, und das hätte ich fast vergessen, die Herkünfte lagen in Kroatien, Deutschland, Ägypten, Persien und Ghana.

Vielleicht sollten wir den Satz „Wo kommst Du her?“ durch „Was ist Deine Geschichte?“ ersetzen und damit den Raum öffnen, den anderen erzählen zu lassen, was er/sie in der jeweiligen Situation preisgeben möchte.

Götz Hentschke

Berater und Trainer für Systemische Fortbildung, Projektleiter und Coach

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