INTERVIEW
Rückblick: INDABA 2026 – „Manchmal geht man mit mehr Fragen nach Hause als man mitgebracht hat.“
Bei INDABA treffen Menschen aus Wirtschaft, NGOs und Kultur aufeinander. Im Interview erzählt Nele Freudenberg, was daraus entstehen kann und warum manchmal gerade die offenen Fragen etwas in Bewegung bringen.
Was macht eine Veranstaltung besonders? Sind es die Vorträge, die Themen oder die Menschen? Für Nele Freudenberg liegt die Antwort irgendwo dazwischen. Im April kamen bei unserer INDABA 2026 in Karlsruhe Verantwortungsträgerinnen und Verantwortungsträger aus Wirtschaft, NGOs und Kultur zusammen, um über Zukunftsfragen ins Gespräch zu kommen. Im Interview blickt Nele auf besondere Momente zurück und erklärt, warum gerade unterschiedliche Perspektiven oft die wertvollsten Impulse bieten.
Nele, wenn Du INDABA 2026 in drei Begriffen beschreiben müsstest, welche wären das?
Nele: „Raum der Begegnung, inspirierend und branchenübergreifend.“
Für mich war besonders spürbar, dass wir einen Raum geschaffen haben, in dem Menschen sich wirklich Zeit füreinander genommen haben. Es wurde offen über Herausforderungen gesprochen und gemeinsam nach neuen Perspektiven gesucht.
Inspirierend war zu sehen, wie schnell in Gesprächen neue Ideen entstanden sind. Und branchenübergreifend beschreibt unsere größte Stärke: Wir bringen Menschen zusammen, die sich im Alltag vermutlich nie begegnen würden. Gerade daraus entstehen oft die spannendsten Impulse.
Gab es einen Moment, in dem Du dachtest: Genau deshalb lohnt sich dieses Format?
Nele: Ja, sogar mehrere. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir eine Geschäftsführerin einer NGO, deren Einrichtung durch ausbleibende Fördergelder unter Druck geraten war. Im gemeinsamen Austausch entstand eine völlig neue Idee: Statt ausschließlich auf öffentliche Mittel zu setzen, könnten lokale Unternehmen als Partner gewonnen werden, die eben auch ein gemeinsames Ziel haben: Einen attraktiven und lebenswerter Stadtteil zu haben.
Für mich war das ein typischer INDABA-Moment. Menschen bringen unterschiedliche Erfahrungen ein und eröffnen dadurch neue Lösungswege.
Was unterscheidet die Atmosphäre bei INDABA von klassischen Business-Events oder Konferenzen?
Nele: Unsere Teilnehmenden bilden kein Netzwerk und werden es wohl auch nicht sein – Zugehörigkeit über gemeinsame Branche oder konkretes Thema haben sie nicht, dies ist ein Punkt. Ein Weiterer ist, dass wir bewusst auf klassischen Netzwerkmodus verzichten und schaffen stattdessen einen Rahmen für echte Begegnungen. Durch gemeinsame Einstiege und interaktive Formate entsteht schnell eine persönliche Atmosphäre.
Das funktioniert, weil die Teilnehmenden bereit sind, sich einzubringen und offen miteinander ins Gespräch zu gehen – dies haben sie vielleicht alle auch durch unsere Arbeit gelernt?! So entstehen oft überraschend direkte und ehrliche Dialoge.
Michael Schwienbacher hat einen Impulsvortrag zum Thema nachhaltiges Wirtschaften gehalten. Was hat Dich daran besonders interessiert?
Nele: Spannend war für mich weniger, ob alle die Inhalte geteilt haben, sondern dass sie intensive Gespräche angestoßen haben. In vielen Runden wurde deutlich, wie unterschiedlich Blickwinkel auf nachhaltiges Wirtschaften sein können und wie viele Fragen noch offen sind.
Genau diese Auseinandersetzung macht INDABA aus: unterschiedliche Positionen treffen aufeinander und eröffnen neue Denkansätze.
Was würdest Du jemandem sagen, der noch nie bei einer INDABA war?
Nele: Komm nicht mit der Erwartung, fertige Antworten zu bekommen.
INDABA bringt Menschen zusammen, die Verantwortung tragen und neugierig sind, ihre Fragen mit anderen zu teilen. Manchmal geht man mit mehr Fragen nach Hause, als man mitgebracht hat. Oft sind es aber genau diese Fragen, aus denen neue Ideen und Veränderungen entstehen.
Darauf bin ich wirklich stolz. Wir schaffen einen Raum, in dem Zukunftsthemen offen diskutiert werden können, ohne sofort nach der einen richtigen Lösung zu suchen. Denn Veränderung beginnt oft mit einem guten Gespräch.
Credits: Micha Roth
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